Weltladen Grünberg e.V.: Mehr als fair einkaufen

Als Mitglied im Weltladen-Dachverband e.V. ist der gemeinnützige Verein Weltladen Grünberg e.V. Teil einer großen Bewegung, die sich für einen gerechteren internationalen Handel einsetzt. Die Vorstandsvorsitzende Marianne Renz erzählt dem S-Cashback Magazin, wofür sich der Verein konkret engagiert und was für sie „fair“ bedeutet.

Interview: Julia Köhler

S-Cashback Magazin: Frau Renz, wie kam es eigentlich zur Gründung des Vereins und zur Eröffnung des Weltladens?
Marianne Renz: 2009 gab es in Grünberg Interesse daran, dass sich die Stadt als Fairtrade-Town bewirbt. Fairtrade-Towns fördern den Fairen Handel auf kommunaler Ebene. Damals bildete sich eine kleine Steuerungsgruppe, bei der ich auch dabei war. Wir haben das Projekt vorangebracht, indem wir unter anderem Einzelhändler, Unternehmen, Kirchen und Schulen gefragt haben, ob sie daran mitwirken wollen. 2011 sind wir dann Fairtrade-Town geworden. Danach wurde die Idee zur Gründung des Vereins und des Weltladens geboren, den wir dann im November 2013 eröffnet haben. Wir feiern also in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum. Bei der Sitzung zur Gründung damals waren über 30 Teilnehmer dabei, die fast alle noch am selben Abend in den Verein eingetreten sind. Das war ganz toll. Danach habe ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal gemacht und habe das schönste und beste Geschäft hier in Grünberg gefunden.

Marianne Renz ist die Vorstandsvorsitzende des Weltladen Grünberg e.V.

Und dort ist der Weltladen bis heute zu finden?
Ja, genau, in der Rabegasse, unweit vom Marktplatz. Momentan arbeiten hier 20 Menschen – alle ehrenamtlich und mit großem Engagement.

Warum ist Ihnen Fairer Handel so wichtig?
Mir ist der Faire Handel seit Anbeginn bekannt. Ich bin durch Kirchenkreise auf ihn aufmerksam geworden und habe früher schon selbst fair gehandelte Ware verkauft. Als Konsumentin, Interessentin und sozialpolitisch Interessierte war das für mich also keine Schwierigkeit, hier im Weltladen Grünberg mitzuwirken. Ich möchte mich mit meinem Konsum und mit meinem Wissen dafür einsetzen, dass Menschen im Süden unserer Erde gute Arbeitsbedingungen sowie Löhne haben und ihre Kinder genau wie wir in die Schule schicken können. Unser Luxus beruht zum großen Teil auf der Ausbeutung der anderen – und das vertrete ich nicht.

Inwiefern können Weltläden zu mehr Fairness beitragen?
Die Weltläden arbeiten auf drei Ebenen: der Verkauf von Waren, die politische Arbeit sowie die Bildungsarbeit. Mit kleinen Aktionen und Veranstaltungen machen wir aufmerksam auf ein Ungleichgewicht in der Wirtschaftspolitik, Außenpolitik und den Umgang mit den Zulieferländern und Produzenten vor Ort. Weltläden gibt es übrigens bereits seit 1973; auch sie feiern in diesem Jahr also Jubiläum.

Wie kann man sich die Bildungsarbeit konkret vorstellen?
Wir halten Vorträge, informieren über unsere Spendenprojekte, laden Schulklassen ein und bieten Platz für Konfirmandenunterricht in unserem Seminarraum. Momentan läuft zum Beispiel die Faire Woche, die unter anderem vom Weltladen-Dachverband e.V., vom Forum Fairer Handel und Fairtrade bundesweit beworben wird und Aufmerksamkeit schaffen möchte für den Fairen Handel. Da gibt es bis zum 30. September noch sehr viele Aktivitäten. Wir stellen in diesem Jahr zum Beispiel verschiedene klimafaire Frühstücksprodukte vor. Durch Infokarten im Schaufenster machen wir darauf aufmerksam und informieren.

Bei verschiedenen Veranstaltungen informiert der Weltladen Grünberg e.V. über seine Arbeit.

Welche Produkte verkaufen Sie im Weltladen?
Wir verkaufen Lebensmittel wie Kaffee, Tee und Schokolade, aber auch Saucen, Reis und Olivenöl. Darüber hinaus verkaufen wir farbenfrohe Kleidung für Erwachsene und Kinder. Wir bieten zudem Kunsthandwerk und hochwertigen Schmuck an – alles fair produziert natürlich. Die fairen Preise für die qualitativ hochwertigen Produkte ermöglichen den Produzenten in Lateinamerika, Afrika und Asien, ein menschenwürdiges Leben aus eigener Kraft zu gestalten.

Wie wird geprüft, ob die Waren wirklich fair gehandelt sind?
Da findet zum einen eine Prüfung durch die Importeure statt, die sich die Waren und Produktionsbedingungen vor Ort anschauen, und zum anderen wirkt der Weltladen-Dachverband e.V. mit, dem wir ja auch angehören. Der Dachverband fordert von den Händlern die Unterlagen an, in denen Punkt für Punkt alles genau aufgelistet ist. Von der Kaffeepflanze bis zum fertigen Kaffee in der Tasse muss also der faire Lieferweg nachgewiesen werden. Und wenn das nicht passiert oder Zweifel bestehen, fällt eine Kooperative auch schon mal raus aus dem Fairen Handel.

Für Verbraucher ist es oft schwer einzuschätzen, was wirklich fair gehandelte Ware ist. Haben Sie einige Tipps, woran man sich orientieren kann?
Fair gehandelte Produkte kann man oft an verschiedenen Logos und Siegeln erkennen. Es gibt zum Beispiel das bekannte Fairtrade-Siegel und das WFTO-Zeichen (World Fair Trade Organization). Große Fair-Trade-Organisationen und Importeure sind auch El Puente oder GEPA. Die gibt es schon seit 50 Jahren und die arbeiten ausschließlich im Fairen Handel. Verbraucher können sich auch immer im Weltladen informieren, wenn sie unsicher sind. Ansonsten kann man sich an den Importeur wenden, wenn man Fragen hat.

Und was bedeutet für Sie „fair“?
Es ist fair, wenn Menschen eine angemessene Bezahlung erhalten und sich davon ernähren können. Wenn Schulbildung für Kinder möglich ist. Wenn wir mit unserer Mutter Erde gerecht umgehen und der Bio-Anbau gefördert wird. Und Menschen, die Möglichkeit haben, das anzubauen, was sie verkaufen wollen und was sie für ihre eigene Ernährung benötigen. Es ist außerdem fair, wenn Frauen gleichberechtigt behandelt werden. Und wenn Menschen die Möglichkeit haben, Gewerkschaften zu gründen und ihr Versammlungsrecht zu nutzen.

Der Weltladen Grünberg e.V.  engagiert sich für verschiedene gemeinnützige Projekte. Können Sie darüber kurz etwas erzählen?
Aktuell unterstützen wir das Projekt „low cost houses“ in Nepal, bei dem vor Ort von zwei Vereinen kleine Häuser für leprabetroffene Menschen gebaut werden, die nicht unter normalen Umständen leben können und kein Geld für ein Dach über dem Kopf haben.

Zudem begleiten wir seit vielen Jahren das „Smyrna-Projekt“ in Indien. Dort betreuen wir mittlerweile 36 Patenschaften für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die Spendenbeiträge werden unter anderem für die Schulbildung eingesetzt, aber auch für Physiotherapie, denn manche Kinder haben Behinderungen und benötigen dringend Unterstützung.

Alle Mitarbeiter im Weltladen Grünberg arbeiten ehrenamtlich und engagieren sich unter anderem für gemeinnützige Projekte in Nepal und Indien.

Viele Menschen möchten sich ehrenamtlich engagieren, wissen aber nicht so richtig wo und wie. Insofern ist der Weltladen ja ein guter Anlaufpunkt, oder?
Ja, das ist immer ein guter Anlaufpunkt, um sich zu informieren. Man kann bei uns auch Schnuppertage verbringen und mal im Verkauf mithelfen oder im Hintergrund an Projekten mitarbeiten. Die Einsatzbereiche sind sehr breit gefächert. Auch ein Praktikum ist bei uns möglich. Und natürlich sind wir immer auf Spendengelder angewiesen. Engagement ist auf vielfältige Weise möglich.

Haben sich das Engagement und die Spendenbereitschaft seit Corona und dem Ukraine-Krieg eigentlich verändert?
Ja, auf jeden Fall. Durch die Corona-Krise und den Ukraine-Krieg merkt man, dass die Menschen nachdenklicher geworden sind. Viele setzen diese humanitären Katastrophen in Relation zu ihrem eigenen Leben und oftmals ist das Resultat, dass viele anfangen, sich umzustellen und zu hinterfragen. Immer mehr Menschen möchten nachhaltiger einkaufen oder ein bestimmtes Projekt mit ihrem Einkauf unterstützen. Die Leute sind wirklich sehr interessiert, das merken wir vor allem in unseren Kundengesprächen. Die Spendenbereitschaft ist also nach wie vor da; sie ist sogar noch größer geworden, würde ich sagen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen für eine Mitgliedschaft in unserem Weltladen-Verein entscheiden. Das wäre sehr wichtig, denn über die Beiträge finanzieren wir ja auch zum Beispiel Anschaffungen für unsere Bildungsarbeit. Ich wünsche mir außerdem, dass weiterhin viele Menschen zu uns kommen, die sich für den Fairen Handel interessieren und unsere Produkte kaufen. Außerdem wäre es schön, wenn wir unseren Umsatz im Laden zumindest so halten können, damit wir kostendeckend arbeiten. Wir müssen ja die Miete für den Laden selbst bezahlen. Aber ich muss sagen, wir haben viele Sponsoren, unter anderem die Sparkasse Grünberg, die uns großartig unterstützt. Überhaupt haben wir ein sehr gutes Miteinander hier in der Stadt.

Inwiefern?
Wir erhalten von vielen Seiten Unterstützung, auch von der Kirche. Einige Konfirmanden haben dieses Jahr in ihren Konfirmationsgottesdiensten speziell zu Spenden für das Projekt in Nepal aufgerufen. Auch seitens der Presse gibt es große Unterstützung. Das Interesse an unserer Arbeit ist riesig. Insgesamt schaue ich sehr positiv in die Zukunft, denn der Kreis der Unterstützer und auch unser Netzwerk werden immer größer.

Eine letzte Frage zum Schluss: Sie sind seit dem 15. August 2022, also seit knapp einem Jahr, S-Cashback Partner. Wie wird das S-Cashback Programm von Ihren Kunden angenommen?
Als ich von einem Mitarbeiter der Sparkasse Grünberg über S-Cashback informiert wurde, war ich sofort dafür. Ich habe das dann dem Vorstand vorgestellt und wir haben gemeinsam darüber abgestimmt. Obwohl wir S-Cashback bei uns im Laden beworben haben, wird das Vorteilsprogramm bisher nur wenig genutzt. Ich kann mir aber vorstellen, dass das in Zukunft zunimmt. Allein dadurch, weil immer mehr Menschen Kartenzahlung bevorzugen. Wir gewähren übrigens 2 Prozent Cashback auf alle Umsätze ab 25 Euro – bei Zahlung mit einer Sparkassen-Karte (Debit- oder Kreditkarte).

Kontakt: Weltladen Grünberg e.V., Rabegasse 14, 35305 Grünberg, Telefon: 06401 228 7133, E-Mail: weltladen-gruenberg@t-online.de, www.weltladen-gruenberg.de

Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-13 Uhr und Mo, Di, Do, Fr 15-18 Uhr

Fotos: Weltladen Grünberg e.V.

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