Mit einfachen Mitteln Energiekosten senken

Viele Unternehmen leiden unter den hohen Energiekosten. Dabei lassen sich mit Kreativität und wenig Geld zahlreiche praktische Maßnahmen umsetzen.

Zunächst sollte klar definiert sein, wer für das Thema im Betrieb verantwortlich ist. Es sollte daher ein Energiebeauftragter benannt werden. Im Rahmen eines Energieaudits kann dann zum Beispiel ermittelt werden, welche Energieeinsparpotenziale es gibt. Kleine und mittlere Unternehmen können dafür eine 80-prozentige Förderung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragen.

Wer Maßnahmen umsetzen will, muss vor allem seine Mitarbeiter einbinden. Laut Bundesministerium für Energie und Klimaschutz kann die Sensibilisierung von Mitarbeitern und für den Gebäudebetrieb verantwortlichen Personen zwischen 5 und 15 Prozent an Energie einsparen. Dabei gibt es viele Wege: So können sie zum Beispiel in Ideenwettbewerben Vorschläge zum Energiesparen machen. Zudem sollte man Meinungsführer und andere motivierte Mitarbeiter zu Energiebeauftragten machen, die die Umsetzung beschlossener Maßnahmen vorantreiben.

Selbst Vorbild sein

Wer entsprechende Kontakte hat, kann zudem Fachleute aus anderen Betrieben, von Stromversorgern oder Kammern und Verbänden einladen. Und da Energiesparen kein Sprint, sondern ein Dauerlauf ist, sollten Chefs neue Maßnahmen und Erfolge regelmäßig in großer Runde vortragen. Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen hat in einem PDF Vorschläge zusammengefasst, wie man das Personal zum Mitmachen motiviert.

Viele Mitarbeiter werden aber ganz genau schauen, ob die Geschäftsführung ebenfalls beim Energiesparen mitmacht. Wer sich als Chef nicht an die besprochenen Maßnahmen hält, verliert Glaubwürdigkeit und erzeugt Gleichgültigkeit. Und das gilt es zu vermeiden.

Für Chefs ist es nicht nur wichtig, das Personal zu sensibilisieren und Vorschläge zu sammeln, sondern auch selbst bei den Energiesparmaßnahmen voranzugehen.

Kurzfristige Maßnahmen

Doch welche Maßnahmen lassen sich günstig und schnell umsetzen? Auf seiner Website Energiewechsel.de hat das Bundeswirtschaftsministerium zahlreiche Tipps zusammengestellt. Aber auch Energieversorger, IHKs, Förderbanken und Energieagenturen von Bundesländern bieten gute Ideen in großer Zahl. Eine Auswahl:

  • Schilder oder Aufkleber mit Energie-Einsparhinweisen an geeigneten Stellen anbringen.
  • Heizung, Lüftung und Klimaanlage optimal einstellen: Bei modernen Anlagen lässt sich die Raumtemperatur zentral einstellen. Nachts und am Wochenende kann die Temperatur zusätzlich gesenkt werden. Eine um nur ein Grad geringere Raumtemperatur bringt eine Energieersparnis von sechs Prozent. Heizkörper sollten außerdem genügend Abstand zu Möbeln haben. Zudem kann ein Sonnenschutz die Temperatur in den Innenräumen geringer halten.
  • Heizung hydraulisch abgleichen: Bei nicht gut eingestellten Systemen sind Heizkörper in entfernten Räumen zu kalt und in nahe gelegenen Räume zu warm. Ein hydraulischer Abgleich verteilt die Wärme gleichmäßig und spart bis zu 15 Prozent Energie.
  • Besser lüften: Regelmäßiges, kurzes Stoßlüften bei weit geöffneten Fenstern ist besser als Dauerlüftung mit gekippten Fenstern.
  • Fenster und Türen abdichten: Dichtungsbänder, bewegliche Dichtprofile und Bürstendichtungen für Türunterkanten halten Kälte ab.
Fenster lassen sich oft leicht abdichten.
  • Rohrleitungen und Anlagen dämmen: Mit dieser Maßnahme können laut Bundeswirtschaftsministerium Wärmeverluste um 30 Prozent gesenkt werden.
  • Büros umorganisieren: Eventuell lohnt es sich, die Büroaufteilung anzupassen und mehr Personen in ein Büro zu setzen. Das ist aber oft ein empfindliches Thema im Betrieb. An Büroarbeitsplätzen sollte nur ein Monitor genutzt werden.
  • Geräte ausschalten: Wenn Maschinen oder Geräte nicht genutzt werden, sollten sie ausgeschaltet werden, statt im Standby-Modus zu laufen. Das gilt für Maschinen ebenso wie für Lüftungsanlagen, Monitore oder Adapter. Mehrfachsteckdosenleisten können mit einer Zeitschaltuhr ganz einfach dafür sorgen, den Energieverbrauch zu senken.
  • Beleuchtung umstellen: Der Einsatz von LED oder Leuchten mit guter Lichtlenkung verbraucht weniger Energie. Selten frequentierte Bereiche zusätzlich mit Bewegungsmeldern ausstatten. Vergleichen Sie Leuchtmittel, mittlere Brenndauer der Beleuchtung, Strompreis und die Investitionskosten für LEDs, um die Amortisationszeit zu errechnen. Übrigens: Ab September 2023 wird der Verkauf von T8-Leuchtstoff- und Halogenlampen verboten. Das BAFA unterstützt mit Förderprogrammen die Umrüstung auf LED.
  • Energieeffizient einkaufen: Bei der Anschaffung neuer Geräte für IT, Beleuchtung und Gebäudetechnik lohnt es sich, auf den Stromverbrauch zu achten. Besonders interessant sind smarte Technologien. Digitale Heizkörperthermostate können die Temperatur im Büro besser steuern und die Heizkosten um bis zu 10 Prozent senken.
  • Anders reisen: Bahnfahrten stellen eine Alternative zu Auto und Flugzeug dar, für kürzere Strecken bieten sich Dienstfahrräder oder Elektrofahrzeuge an. Wer seinen Beschäftigten ein Jobticket anbietet, fördert das Klima und das Unternehmensimage.
  • Dort, wo es aus Unternehmenssicht passt, sollte auch Homeoffice in Betracht gezogen werden.

Jede Branche hat zudem ihre eigenen Ansprüche. Gerade für Handwerksbetrieb und kleinere Unternehmen lohnt sich ein Blick in den elektronischen Leitfaden „Energieeffizienz im Handwerk“ der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz.

Problemfall Miete

Ein Hindernis bei vielen möglichen Maßnahmen, gerade im Handel: Oft sind die Unternehmer Mieter und nicht Eigentümer, können also nicht allein über bauliche Veränderungen entscheiden. Möglich ist hier aber auf jeden Fall die Umrüstung der Beleuchtung auf LED.

Ein großes Problem im Handel ist zudem die Kühlung, da jeder Kunde rund 200 Watt Wärmeleistung in den Raum trägt. Kostengünstig kühlen kann man beispielsweise durch Lüftungsklappen im Fenster, die sich ab drei Uhr automatisch öffnen. Darauf weist das Handelsinstitut EHI hin. Dadurch strömt in den frühen Morgenstunden frische Nachtluft herein und der Laden startet kühl in den Tag.

Auch den durch die Schaufenster bedingten Kälte- beziehungsweise Wärmeeintrag kann man reduzieren. Wer aus Gründen besserer Einsehbarkeit die energetisch eher ungünstige Einfachverglasung bevorzugt, kann durch eine Dämmebene in Form einer Rückwand unerwünschter Kältezufuhr entgegenwirken. Und bei starker Sonnenstrahlung kann mittels intelligenter, auf Sonnenlicht reagierender Lichtsteuerung die Fensterbeleuchtung reduziert werden.

Im Bereich der Schaufenster lässt sich viel Energie sparen.

Mittel- und langfristige Maßnahmen

Viele gute Maßnahmen sind teuer – etwa der Austausch energieintensiver Geräte oder Heizungen. Zahlreiche Vorschläge lohnen sich deshalb vor allem für größere Unternehmen oder Industriebetriebe. Auch hier eine Liste von Ideen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Energieberatungen und -audits: Energieberater analysieren den Verbrauch, schlagen Lösungen vor und verfügen über gute Kontakte für die Umsetzung von Maßnahmen. Der Staat fördert Energieberatungen und Energieaudits finanziell.
  • Gebäude dämmen: Die Dämmung von Außenwänden und Dächern ist aufwendiger als ein Dichtungsband am Fenster, aber auch effektiver.
  • Abwärmenutzung: Abwärme kann zum Beheizen von Räumen, Erzeugung von Warmwasser oder als Prozesswärme recycelt werden. Aber auch die Einspeisung in Nah- und Fernwärmenetze ist möglich.
  • Anders heizen: Eventuell kann sich die Anschaffung einer neuen Heizungsanlage lohnen. So kann etwa die Nutzung einer Solarthermie, der Einbau eines Blockheizkraftwerks oder einer Pelletheizung sinnvoll sein. Auch Wärmepumpen können zur Unterstützung der Heizung oder zur Prozesswärmeerzeugung eingesetzt werden. Unterstützung durch die „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ ist möglich.
  • Kühlung pflegen: Im Handel und in Büros bieten Klimaanlagen häufig Energieeinsparpotenzial. Werden sie nicht regelmäßig gewartet, steigt oft der Stromverbrauch. Kältetechniker auch nach energiesparenden Nachrüstmöglichkeiten fragen.
Werden Klimaanlagen nicht gewartet, steigt oft der Stromverbrauch.
  • Serverraum-Kühlung überprüfen: Oft kühlt eine Klimaanlage den Raum unnötigerweise auf 18 Grad herunter. Indem die Maximaltemperatur auf bis zu 26 Grad hochgestellt wird, lässt sich laut der Förderbank Bremen eine enorme Energiemenge sparen, ohne dass die EDV-Anlage darunter leidet.
  • Druckluft optimieren: Für effiziente Prozesse sollte das Druckniveau und die Druckluftqualität an den Bedarf angepasst werden. Zudem sollten Leckagen beseitigt und das Druckluftsystem regelmäßig geprüft werden.
  • Energiemanagement-Software: Ein betriebliches Energiemanagement analysiert und verbessert kontinuierlich Verbrauch und Kosten. Bei größeren Firmen lohnt sich eine spezielle Software.
  • IT-Prozesse optimieren: Ein zentrales Powermanagement überwacht, automatisiert und optimiert IT-Prozesse. Hardware sollte bedarfsgerecht dimensioniert werden.
  • Fuhrpark umrüsten: Die Firmenflotte kann auf klimafreundliche Antriebe umgerüstet werden. Bei Pkw bieten sich E-Autos an, für größere Fahrzeuge eventuell der Einsatz grünen Wasserstoffs.

Fotos: Adobe Stock

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